Falkensteiner Höhle 09.2020

Alte Herrentour in die Falkensteiner Höhle am 20.09.2020

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Eine grundsätzlich schöne und spaßreiche Tour in die Falkensteiner Höhle bis Siphon 4.
Mit dabei waren Tobias Schmidt, Matthias Frey und Michael Keimes, wobei zu diesem Zeitpunkt zwei Teilnehmer Mitglieder der Höhlenrettung Baden-Württenberg e.V. sind.
Für die Alarmzeit hatten wir unsere Kollegen Axel Bystrzinski und Matthias Leyk informiert.
Geplant war eine entspannte Tour mit Zeit zum genießen ... auf dem Rückweg ist es zu einer unerwarteten Begegnung gekommen:
Aber das steht genauer in dem Bericht von Tobias Schmidt (siehe unten) oder auch auf der Webseite der Höhlenrettung Baden-Württenberg : http://www.hoehlenrettung-bw.de/ unter Aktuelles 2020.

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Bild 001  Zwischen diesen beiden
Bildern liegen über 20 Jahre
 Nur der Stalagmit schein nicht 
gealtert zu sein :-)
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-------------------------- Hier noch der Bericht von Tobias -----------------------

20.09.2020 Alte Herrentour nach Hinten – oder wie
aus einer gemütlichen Befahrung bis S4 eine Rettung wird...

Der Plan war eine entspannte alte Herrentour bis S4. Alles verlief super! Super Stimmung,
tolle Höhle und viel Spaß. Vor dem E.-Versturz machten wir dann frischen Espresso,
was bei der rückkehrenden Gruppe von "Steppenwolf" zu sichtbarer Verwirrung, aber auch viel
Spaß führte. Dann gingen wir noch bis zum Beginn S4 und haben die Schönheit der Höhle
genossen.
Für den Rückweg haben wir beschlossen kein Kaffee mehr im Cafe
Hasenmayer zu trinken um genug Zeitreserven zu haben. Wie sich später herausstellen
sollte, war das eine sehr gute Entscheidung. Auch der Rückweg verlief sehr gut mit genau
so viel Spaß wie der Reinweg. Das sollte sich dann aber gegen 17:45 – 18:00 im
F-bau abrupt ändern.

Und plötzlich wird aus einer Altherrentour ein Rettungseinsatz!

Im Detail:
Michael war der erste der durch die obere Engstelle aussteigen wollte. Dort lag ein großer,
schwerer Schleifsack (oder sowas ähnliches) im Weg. Schlimmer noch: Über dem
Schleifsack hing jemand, nennen wir ihn mal dem „einsamen Wanderer Jörg“,
kopfüber in der Engstelle. Bei dem Versuch, den Schleifsack aus dem Versturz ziehen
zu wollen hatte er sich so verkeilt, das es für ihn keinerlei Vor oder Zurück mehr gab.
Michael befreite dann erstmal den Sack und reichte den nach unten in die kleine Kammer
im F-bau. Dann konnte er mit viel zureden Jörg dazu bringen weiter in den F-bau
zu kommen, was er erst nicht wollte. Dies gelang nur dadurch, dass Michael an den
Armen von Jörg gezogen hat um ihn aus seiner Klemme zu befreien. Als dieser dann
endlich bei mir und Matze in der Kammer im F-bau ankam rechnete ich jede Sekunde
mit dem Kollaps: extrem hohe Atemfrequenz (deutlich über 100, sehr flach), ein Kopf der
aussah als würde er gleich explodieren und Jörg nicht ansprechbar. Wir (Matze und ich)
haben ihn dann in eine Sitzposition gebracht und dann beruhigte er sich langsam. Nach
ca. 10min war die Situation unter Kontrolle. Nun musste Jörg aber natürlich raus.
Der Plan: Matze geht zu Michael rauf, nachdem wir alle Schleifsäcke per Kette nach oben
gebracht haben. Danach sprechen wir Jörg durch die Engstelle. Das funktioniert
erstaunlich gut, langsam, aber gut. Ich helfe etwas von unten, die beiden anderen von
oben. Als wir dann alle draußen sind versorge ich Jörg erstmal mit isotonischen
Getränken. Er macht einen stark dehydrierten Eindruck und ist auch wirklich benommen /
nicht klar im Kopf. Alle Antworten kommen stark verzögert und teilweise erst nach
erneutem Nachfragen… Wie sich später herausstellen wird hatte er seit R-Halle
nichts mehr zu trinken und er war bis S2. Es war also ca. 12:00 das er das letzte mal was
getrunken hatte und er steckte in einem 7mm Anzug!

Jörg erholt sich ein bisschen und kann auch wieder vernünftig antworten. Also
beschließen wir ihn selber rauszubringen. Wir haben noch Zeitreserven (zur Alarmzeit)
und zur Not muss eben einer rechtzeitig vorlaufen und Bescheid geben. Wir gehen nur
wenige Meter bis mir klar wird, dass der Schleifsack Jörg völlig überfordert, zumal er auch
noch die Hände voll hat. Wir stoppen und verteilen sein Material auf die drei anderen
Säcke, die glücklicherweise nicht so voll sind. Mann, hat der ein Zeug dabei, nur nichts
Sinnvolles…

Wir trauten unseren Augen nicht als wie den Sack öffneten und die Sachen verteilten.
Neben eine Monstertonne fanden wir einen zweiten Helm mit LED-Beleuchtung mit
Lüfter(!), eine Alu-Tauchflasche und eine komische Luftpumpe. Mit dieser wollte er vor
dem Siphon die Flasche füllen. „...es ist eine 200bar Handpumpe...“, „...lieber transportiere
ich eine leere Flasche, nicht das die mit 200bar auf meinem Rücken explodiert...“
Unglaublich! Egal. Irgendwie bekommen wir das Zeug unter und gehen sehr langsam und
sehr vorsichtig mit dem völlig entkräfteten Jörg weiter. Die Lehmwände waren alles andere
als lustig, aber mit Vormachen und Helfen hat alles gut geklappt. Immer wieder stoppen
wir und ich versorge Jörg mit dem, was wir noch an Getränken haben. Auch ein Mars
bringt neue Energie in Jörg. Nach einer gefühlten Ewigkeit und immer noch mit Zeitreserve
erreichen wir dann die R-Halle. Hier machen wir eine letzte Pause. Mittlerweile ist
es 20:15. Ich frage Jörg, wann er das letzte mal was gegessen hat und bin schockiert zu
hören, dass es am Mittag war. Also bekommt er nochmals ein oder zwei Mars und noch
weitere zwei oder drei Halbliterflaschen Isozeug. Gut hatte ich auf dem Reinweg noch was
in der R-Halle deponiert. Sein Zustand wird langsam immer besser. Nach einer
guten Viertelstunde Pause machen wir uns dann vorsichtig auf die letzten Meter und
erreichen den Ausgang gegen 21:05. Ich bin mit Jörg schon im Portal und sehe die Sterne
und konnte es mir dann nicht verkneifen den beiden anderen (gerade noch in der Höhle)
zuzurufen: „Wir haben es geschafft! Nun ist es nicht mehr Aufgabe der Höhlenrettung, ab
jetzt ist die Bergwart zuständig!“. Jörg schaut mich mit großen Augen an und ich erkläre
ihm, dass das gerade eine ernste Rettung aus einer akuten, lebensbedrohenden Situation
war und nicht der lockere Ausgang einer schönen Höhlentour. In seinem Gesicht konnte
ich sehen, dass er erst jetzt erkennt, in welcher Situation er sich in der Höhle und im
Besonderen im F-bau befunden hat und das es reines Glück war, dass wir ihn gerade
noch rechtzeitig gefunden haben.

Egal - Ende gut, alles gut!

Auf dem Parkplatz ist Jörg dann ganz still. Er hat nun die Situation realisiert. Wir ziehen
uns langsam um, verteilen die Sachen aus den Schleifsäcken.
Jörg ringen wir noch das Versprechen ab nie wieder alleine in eine Höhle zu gehen und
heute Nacht nicht mehr zurück nach Freising zu fahren.
Bevor wir losfahren vergewissern wir uns noch, dass nun mit Jörg alles i.O. ist und freuen
uns auf Pasta und Rotwein!

Tourdauer: 11:45h

Fazit: Das ganze hätte äußerst dramatisch enden können:
Hätten wir unseren Plan mit einem Kaffee im Cafe Hasenmayer umgesetzt, dann hätten
wir wahrscheinlich einen Ohnmächtigen (oder vielleicht auch Schlimmeres) im F-bau
vorgefunden, der uns den Weg nach außen blockiert hätte. Wir hätten diesen leblosen
Körper (ca. 180cm, ca. 120kg) nie aus eigener Kraft in den F-bau ziehen können. Die
beschissene, labile Umgehung des F-baus ist mit einem Gitter verschlossen.
So wären wir hinterm F-bau eingeschlossen gewesen bis – wer weis?

Unsere Alarmzeit war 23:00. Rückmeldestelle: Matthias L. Also wären wir frühestens
gegen 5:00 morgens gefunden worden und über eine Lösung dieser „Verstutzblockade“
möchte ich gar nicht nachdenken…

Nur gut, dass das Cafe Hasenmayer wegen Corona geschlossen hatte… ;)

Tobias S.